Eltern sind schlechte Vorbilder – für potenzielle Eltern

Text: Carla Schubert

Kürzlich erschien in der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) der Artikel „Die Überforderung der Kindheit“ – geschrieben von Nils Minkmar, Feuilletonchef der Zeitung.

Schon den Einstieg in die Geschichte fand ich seltsam. Da wird beschrieben, in der Kindheit müsse derzeit alles perfekt sein und dies schrecke potenzielle Eltern ab. Liest man weiter, werden Eltern regelrechte Ohrfeigen ausgeteilt – zumindest mir erging es so. Das Beste für das Kind, eine makellose Schulzeit, eine perfekte Kindheit – das sei zu einer kollektiven Zwangsvorstellung geworden, schreibt der Autor. Deshalb könnten sich heute viele Erwachsene nicht durchringen, selber Kinder zu haben.

Eltern heute sind also schlechte Vorbilder – nicht etwa für ihre Kinder, sondern für potenzielle Eltern. Das muss erst einmal verdaut werden.

Danach folgt in dem Artikel eine Aufzählung, was bei der Kindererziehung alles falsch läuft, wo und wie sich Eltern heute deplatziert verhalten. Es fängt demnach schon im Sandkasten an. Der Autor gibt ein paar gekonnt beschriebene, doch total klischierte Beispiele zur Kostprobe.

Eine Umfrage in seinem Freundes- und Bekanntenkreis lässt ihn zudem den Schluss ziehen: Erstaunlich viele Leute kämen aus windschiefen Verhältnissen und seien trotzdem zu ganz geraden Menschen herangewachsen. Was soll das konkret heissen? Eltern, lasst locker? Ihr könnt Euch auch nicht um Eure Kinder kümmern, sie werden trotzdem gut rauskommen? Irritierend finde ich das. Ich frage mich, warum der Feuilletonchef nicht direkt mit Eltern gesprochen hat, beispielsweise gerade mit jenen, die ohne Strümpfe und Schuhe neben ihren Kindern im Sandkasten hocken, wie er kritisiert? Warum hat er sie nicht gefragt: Was tun Sie hier und warum tun Sie es? Er hätte aber auch fragen können: Wie geht es Euch? Warum tut ihr jenes so und nicht so? In dem Artikel kommen Eltern nicht zu Wort. Schade. Müsste da nicht auf Augenhöhe diskutiert werden? Oder mindestens das Interesse daran bestehen, herauszufinden, warum heute vieles offenbar so schräg läuft?

Schade finde ich diese kollektive Beschuldigung: Eltern sind schuld, weil sie es zu gut meinen mit ihren Kindern. Weil sie sie zu guten Leistungen in der Schule anspornen. Weil sie vielleicht Angst haben, ihre Kinder könnten es dereinst in unserer Leistungsgesellschaft nicht schaffen. Müsste hier nicht die Gesellschaft als Ganzes an der Nase genommen werden? Wer hat dieses System erfunden? Die Eltern?

Dann frage ich mich auch: Welche Kinder, beziehungsweise heutigen Erwachsenen, beklagen sich denn darüber, ihre Eltern hätten zu viel gewollt? Wo ist diese Bewegung? Oder ist dies am Ende eine reine Annahme? Oder geht es darum: Früher war es besser, da war die Welt noch in Ordnung? Dann müsste man vielleicht auch die Lehrpläne vergleichen. Was mussten Kinder in der 7. Klasse in den 1980er-Jahren leisten und was 2013?

Der Artikel ist mit über 40 Kommentareinträgen auf reges Interesse gestossen. Ein Kommentator schreibt: „Hut ab. Sehr guter Artikel, der Eltern auch ganz gut einen Spiegel vorhält.“ Eine Mutter wehrt sich hingegen: „Ja, es gibt furchtbar schlechte und furchtbar gute Eltern. Beides ist verwerflich. Der grösste Teil ist ganz normal – nur ohne jede Stimme.“

Die Frau bringt es auf den Punkt. 

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